Puff
Einmal ergab sich durch eine Verkettung seltsamer Zufälle, dass ein scheinbar normaler Samstagabend für mich im Puff endetet. Der Cirque Buffon gastierte in Odonien und gab seine letzte Vorstellung. Danach durften alle die wollten mit, schräg gegenüber auf die andere Straßenseite rüber gehen, ins Pascha. Am Eingang wurden die drei Frauen die dabei waren gebrieft. Das ging schnell und war eindeutig, denn die Geschäftsführerin vom Pascha ist ein sympathische Frau um die Vierzig die genau einen Satz zu uns sagte: Meine Damen, macht den Mädels das Geschäft nicht kaputt, klar? Selten bin ich so eindeutig angewiesen worden, selten war mit so klar, was sie meinte. Wir drei Damen nickten eifrig und wurden alsdann ins unteren Stockwerk gelassen, die Table Dance Area, die normalerweise nur von Männer betreten werden darf, die da Eintritt zahlen und dafür gucken und Vodka trinken dürfen soviel sie wollen.
Dunkel wars da unten im Etablissiment, dunkel und weitläufig. Selten sah ich soviel gut aussehende Männer auf einem Haufen. Selten sah ich leicht bekleidetere Damen als die, denen wir das Geschäft nicht kaputt machen sollten. Das hätt die gar nicht sagen müssen, die Frau Geschäftsführerin denn in einem Laden in dem Frauen rumlaufen, die Table Dancen Stangen wie Hulla Hupp Reifen um die Hüften kreisen lassen können bekommt jede Normalsterbliche Minderwertigkeitskomplexe, wird zum grauen Frettchen und hält sich wacker am Vodka fest. Und guckt. … Auf Toilette bin ich auch gegangen, und prompt mit einer der ich das Geschäft gar niemals kaputt machen können würde zusammengestossen. Die lächelte ganz reizend und fragte, wo ich die geile Umhängetasche herhätte, die sei ja doll.
Nach drei Stunden war ich ziemlich betrunken und legte vor lauter Übermut den Arm um eine meiner Begleiterinnen. Die verstand das und machte sich aus dem Staub. Nach vier Stunden war ich anständig besoffen und nach fünf wußte ich, wenn ich jetzt nicht gehen würde, würde man mich wie manch anderen Mann um sechs Uhr Morgens vor die Tür des Pascha kehren. Kein schöner Gedanke da die Hornstraße ziemlich nah an meinem sozialen Einzugsbereich liegt. Ich stellte mir vor, dass meines Sohnes Religionslehrerin vorbeikäme. Guten Morgen Frau Schneider, kann ich helfen? Sie liegen da so, so, wie soll ich sagen, so abgewiesen. Geht es ihnen nicht gut? Ich anvisierte also den Ausgang, fand ihn, stolperte nach draußen und registrierte a) dass zwischenzeitlich die Sonne aufgegangen war und b) dass ich mir einbildete noch Fahrrad fahren zu können. Ich schwang mich aufs Rad und fuhr los. Kurz vor meiner Wohnung kippte ich um und fiel vom Rad. Auf die schöne Umhängetasche drauf. In der machte es leise “Puff”. Eine vakuum verschlossene Chipstüte, die ich mit mir rumtrug, war geplatzt.
Frau Engel, Frau Heilig und Herr Schwarz
Neumodische Röntgenbilder zeigen mehr als einem lieb sein kann. Knochen, ok, aber seit wann werden die Körperkonturen sichtbar gemacht? Erschreckend sowas. Der auf-merksame Leser, die aufmerksame Leser stellt an dieser Stelle fest: Die Verfasserin war beim Arzt und möchte darüber erzählen. Genau. Ich saß nämlich so im Wartezimmer des Radiologen und es herrschte Stille bis zu dem Moment an dem Frau Engel aufgerufen wurde. Wenig später Frau Heilig. Oh ha, dachte ich. Wer kommt als nächstes dran? Etwa ich? In dem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als den Mädchennamen meiner Mutter zu tragen. Höller. Das hätte ich toll gefunden. Aber Herr Schwarz kam dran. Auch kein unwürdiger Abschluss für die Himmelsgarde. Frau Engel, Frau Heilig und Herr Schwarz sitzen im Wartezimmer. Klingt wie der Anfang eines guten Witzes. Weiter weiß ich leider nicht. Apropos, kennt jemand die Seite www.belauscht.de ? Ganz groß, unbedingt anschauen. O-Töne aus Deutschland. Belauscht und eingesandt von denen, die es gehört haben, redaktionell aufgearbeitet von einer Truppe findiger Studenten, die besten Beiträge wurden jüngst in dem Buch „Entschuldigen Sie, sind sie die Wurst?“ veröffentlicht.
Mein privates Lausch Erlebnis fand in Köln, in der Straßenbahn 1, während der WM 2006, vor der Partie England gegen Schweden statt.
Eine Horde englischer Fans in der Straßenbahn Richtung Stadion intoniert lautstark den Klassiker “Football, is coming home”.
Fans: “It´s coming home, it´s coming home, it´s coming…Football´s coming home…!!!”
In der Bahn sitzen auch schwedische Fans, die weitaus zurückhaltender sind. Plötzlich entsteht eine Gesangspause. Ein Engländer ergreift das Wort und schreit auffordernd in Richtung schwedischer Fans:
“SWEDEN!!! GIVE US A SONG!!!”
Stille. Dann, aus der hintersten Ecke der Bahn antwortet eine zarte Stimme und stimmt den unverkennbaren ABBA-Song an:
“Knowing me, knowing you…ah aaa…”
Alle ein bischen Enke
Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich bereitwillig und auch aktiv in die Reihe der Trauernden eingereiht hatte? Von Dienstagabend bis Gestern nach Abpfiff des Länderspieles Deutschland vs. Elfenbeinkünste so ungefähr. Und eine Woche heulen muss auch irgendwie reichen. Oder sagen wir, reicht mir. So dumm mir einzubilden es ginge bei meiner Trauer um irgendjemanden anders als um mich selbst bin ich glücklicherweise nicht. In meinen Augen war es also ein Rausch des kollektiven Selbstmitleides der Deutschland da befallen hat. Und ich mein das tatsächlich nicht zynisch. Facettenreich, interessant und traurig ist es. Es gab Leute, die hatten schon nach der zweiten Robert Enke Sondersendung genug. Es gibt bestimmt Leute, die wollen noch mehr davon. Mehr Bilder, mehr Darstellung von Mitleid, Beileid, von es tut uns allen leid. Schlau find ich die, die zugeben, nichts erklären zu können. Wohltuend die, die nicht von heimtückischer Krankheit und schwerem Schicksalsschlag reden, sondern von Depression und Selbstmord. Die Einfachheit der Homepage von Hannover 96 seit Dienstag Abend tut gut. Und ein Theo Zwanziger der sagt: Fußball ist nicht alles.
Was mich ein wenig erschreckt sind die parallelen Universen die sich im Zuge des „Ich bin betroffen und zeige deswegen jetzt auch ma´ meine weiche Seite, aber eigentlich bin ich REALIST“ auftun. Abgefälscht von den Medien, bestimmt, dennoch nehmen mir so Sätze wie : „Wir leben nun mal in einer Leistungsgesellschaft und daran wird sich auch nie was ändern…“ die Luft. „Daran wird sich nie was ändern“ Oh ha. Wie wäre es mal mit einer kleinen Prise Erfindungsmut und Veränderungswillen? Die Leistungsgesellschaft produziert nur noch Fehlpässe. Das muss doch dem letzten Dummbrödel aufgefallen sein. Ja was macht man denn, wenn ein System nicht funktioniert? Auswechseln, oder? Ach, egal, ich schweife ab. Hat auch irgendwie nix mit dem Eingangsthema zu tun. Oder doch? Man weiß es nicht.
Stirnbandtussi
Bekommen Menschen Kinder werden sie plötzlich betulich und setzen Fahrradhelme auf, um für Malte und Lisa ein gutes Vorbild zu sein. Praktisch bei Zusammenstößen mit Autos, unpraktisch beim Flirten mit dem süssen Jahrespraktikanten Florian von der Kita. Ich nähere mich diesem Menschenschlag an. Falsch, ich näher mich was viel Schlimmerem an, in der Evolution der Peinlichkeiten eine Stufe dahinter. Fahrradhelm, ach trüge ich doch bloß einen Fahrradhelm, während ich den Kasten Bionade in meine Zweisitzerfahrradanhänger in die Eigentumswohnung in der Südstadt führe. Neee, ich trage jetzt Stirnband. Ich bekenne: Ich bin eine Stirnbandtussi. Und zwar fahr ich mit Stirnband (blau) und Regenhose (lila) zur Spezialistin für alternative Heilmethoden. Die testet mich aus per Pendel und Augenschein und verschreibt mir einen Zappa, ein kleines elektronisches Gerät welches Strom durch meinen Körper funkt um die Parasiten zu erschrecken. Die mögen nämlich nicht, wenn man sie auf der eigenen Frequenz anspricht. Die machen sich dann vom Acker. Wie wir Menschen. Was kann Schlimmeres passieren, als jemanden kennenzulernen, der einen identischen Knall hat wie man selbst? Mir fällt da grad nix ein. Doch. Jemanden treffen, mit dem man grad Streit hat aber vergessen haben, dass man ja grad Streit hat und deswegen freundlich grüßen. Auch nicht gern gesehen. Ach, je. Ich gebe es auf. Ich verkauf meine Eigentumswohnung in die Südstadt, die brauchen da mal was aus Ehrenfeld, verkauf mein Stirnband, verkauf meinen Zappa, und mach einen Kiosk in Bedburg auf. So jeden Tag da stehen und den Bedburger erklären, warum Twix denn jetzt wieder Raider heißt und warum die Marketingstrategen von Ritter Sport sich jeden Morgen auf die Schenkel klopfen, weil sie so tolle Ideen mit der Olympia hatten und die folglich jetzt wieder in aller Munde ist und warum Burger King demnächst den Bedburger herstellen wird, wenn sich die Bedburger nur mal ein bischen dafür engagieren würden. Interessieren tut das keinen in Bedburg. Die hörn noch nicht mal zu. Die wollen nur ihr Bitburger kaufen. Aber auch das ist mir egal. Prost.
Beim Zuhören ist Schweigen angesagt
Es gibt Tage an denen ist der Mensch geruchsempfindlich. Dann werden Nuancen erschnüffelt, die im Normalzustand großzügig überrochen werden. Und ich rede hier tatsächlich von Menschen, will sagen Frauen UND Männern. Das soll nämlich jetzt kein feministischer Text über die alltäglichen, gefährlichen Entgleisungen im weiblichen Nervensystem vor der Menstruation werden. Ne, ich glaub das ist tatsächlich etwas, ich benutze mal das unbeliebte Wort, Spirituelles. Die ungeheuerliche Geruchssinnpotenzierung kommt unvermittelt, bleibt so lang sie möchte und ist nicht willentlich herbeizuführen. Wie so eine ganz normale Begegnung mit der Liebe halt. Deswegen kommt sie bei mir in die Kategorie spirituell.
Zuletzt ereilte mich das Phänomen auf dem Zoot Women Konzert in Köln im Gloria. Plötzlich, inmitten des dritten Stückes roch ich alles. Ich roch das Aftershave meines leicht überhitzten Nebenmanns. Ich roch den Mc Donalds Atem des Typs der drei Reihen hinter mir stand. Ich roch, dass der Mensch der an mir vorbei ging sich grade mit Hilfe der Seife aus dem Seifenspender die Hände gewaschen hatte und seine reizende weibliche Begleitung Camelia Slip Einlagen mit Frühlingsduft trug. Plötzlich sprach mich jemand an. In mir explodierte es. Ich konnte riechen was er gegessen hatte, heute, gestern, im letzten Jahr. Ich habe ihn ausschließlich olfaktorisch erfasst, ich zerfloß, es kam kein Gespräch zustande. Liegt es vielleicht daran, dass nicht mehr geraucht werden darf in einigen Konzerträumen? Toll find ich das. Das Erleben wird dichter, die Atmosphäre durchlässiger, na, und wenn man mal eine rauchen will, kann man ja in den Vorraum gehen. Der so dermaßen rauchnebelgeschwängert ist, dass das Bundesgesundheitsministerium von einem Aufenthalt an solchen Orten länger als 3 Minuten abrät.
In dem Zusammenhang eine weitere Konzert Beobachtung: Viele Zuhörer wissen gar nicht, dass das Reden auf einem Rockkonzert ungefähr genauso unhöflich und störend ist, wie das Reden im Kino. Das machen ja auch nur vollkommen bekloppte Menschen, im Kino knistern und reden. Auch auf einem vermeidlich lautem Rock Pop Was weiß ich Was Konzert ist es nicht auszuhalten, wenn sich das Liebespärchen vor dir Botschaften ins Ohr brüllt. Die Botschaft macht nämlich nicht halt vor den Ohren der Anderen, die ebenso auf Empfang stehen, denn die wollen die Musik der ganz speziellen Band die da grade auf der Bühne steht, und nicht die private Meinung von Herrn X (Du, die Band kenn ich schon seit 1987 und die hab ich zum ersten mal im LUXOR gesehen) hören. Nein, auch nicht zwischen den Stücken. Denn zwischen den Stücken ist die magische Zeit, in der man Menschliches gleichsam Privates der agierenden Künstler erhaschen kann, wenn man denn hinsehen und hinhören mag. Da wird sich auf der Bühne die Nase geschnäuzt, Blicke mit Bandkollegen werden getauscht und die Flasche zum Mund geführt. Auch dabei will ich nicht gestört werden durch die Einladung von Mischa an Detlef nach dem Konzert doch noch mit ins Schampanja zu kommen. Dann hilft nur schulmeisterlich auf die Schulter tippen und gestikulierend auf den Redner einwirken. Und man muss schon mal so bekloppte Sachen sagen wie: Eh. Wenn ihr Euch unterhalten wollt, dann geht doch raus! Argh. Zu solchen Maßnahmen will ich nicht gezwungen werden von ignoranten Konzert Besuchern. Deswegen: Beim Zuhören ist Schweigen angesagt! Danke.
Pathetischer Fisch!
Ich habe mir eine Jacke gekauft, viel zu eng, ein Fehlkauf. Glücklicherweise konnte ich sie umtauschen, ohne Hindernisse, und die hat auch eh nur 9 Euro und 99 Cent gekostet. Eigentlich macht man sowas nicht, billige Kleidung kaufen. Also höchstens auf dem Flohmarkt. Aber ich bin in den Laden gegangen um Tee zu kaufen, was an und für sich schon ein Fehler ist, weil dieser Laden mit der 9 Euro 99 Cent Jacke im Angebot originär Cafe verkauft. Diese Zeiten sind allerdings schon lang lang vorbei. Jetzt verkauft man hier alles. Blumen, Versicherungen, Wellness und instant Erleuchtung. Nach dem Umtausch der Jacke bin ich schnurstracks zum Fischhändler gefahren um Fisch zu kaufen. Aus Dummheit verlangte ich zwei frische Thunfisch Steaks, der Fischmensch legte sie auf die Waage und sagt: 10 Euro 60 Cent macht das, meine Dame. Ich: Oh. Dennoch fingerte ich das gewünscht Bare auf die Theke und verließ das Geschäft mit einem kleinen, blau weiß karriertem, stinkenden Paket in der Handtasche, kostbarer als Gold das Zeug.
Auf dem nach Hause weg traf ich den Ehemann einer Freundin. Der sagte: Hallo Julja. Ich: Hallo Ehemann. Dann biß ich mir auf die Zunge. Beinah hätte ich ihm den Fisch angeboten: Eh, willst du mir vielleicht zwei Thunfisch Steaks abkaufen? Hab ich grade frisch erworben, die übersteigen aber tatsächlich mein Haushaltsbudget für diese Woche bei weitem und Umtauschen tun die da beim Fischhändler auch nicht. Blitzschnell stellte ich mir allerdings die Konsequenzen dieses Angebotes vor: Der Ehemann meiner Freundin käme abends nach Hause. Mein Freundin läge relaxt auf dem Sofa, einen Schoko-Wuppi in der Hand, Desperate housewifes guckend. Er: Heute hab ich Julja getroffen. Sie: Und, wie geht es ihr? Er: Sie wollte mir zwei Thunfischsteaks verkaufen….Sie: Aha.
Ach Mensch. Warum stimmt denn alles nicht mehr? Die Preise, die Produkte, die Ehemänner. Alles ein fettes, dickes Durcheinander. Autohändler bieten einem Geld, wenn man frische Neuwagen kauft. Alles wird angeblich teurer, de facto aber immer billiger. Kleidung kostet weniger als Essen, Milchcafe gibt es im Baumarkt, Druckkosten unterbieten den Papierwert, Mieten ist billiger als Kaufen. Einmal mit 5 Personen nach Malle genausoviel kosten tut wie ein Essen beim geilen Franzosen auf der Krefelder Straße.
War grad in Odonien beim Roboterfestival. Erhebe niemals den Anspruch, aktuell zu sein, aber sollte jemand das hier lesen Heute oder Morgen befehle ich: Hingehen. Das ist ganz groß da! Und irgendwie hat das auch was mit Preisgestaltung zu tun. Da kommen Künstler aus ganz Europa hin und zeigen gute Kunst, selbst gebaute Maschinen, feuerspuckende Skulpturen, grillen Barbiepuppen am Spieß, performen Feuer in die wilde Nacht hinein und braten Currywurst. Und, haben die vorher ausgerechnet, ob sich das lohnt? Rentiert gar? Ne, das haben die nicht. Die machen das trotzdem. Und diesen Umstand nennt man bei weitem nicht Dummheit, sondern Ergebenheit. Ergebenheit an die Unvermeidbarkeit im Leben das zu tun, was WahheitLustFreiheitFreude macht. So gesehen unbezahlbar!
(Man vergeben mir den Pathetismus dieser Aussage, ich bin heute betulich.)
Worte die gut sind, Sätze die ich verstehe
Ich möchte mit zunehmenden Alter gern verblassen. Wenn ich blaß genug bin, dass mich nur noch die sehen, die mich kennen, die wissen, dass ich da bin, dann fahr ich vormittags mit meinem Auto spazieren. Die, die mich versorgen sind dann zur Arbeit gegangen. Blaß wie ich bin ist auch mein Auto blaß. Keiner sieht mich, denn sie wissen nicht, dass ich da bin. Ich stelle mich auf einen Parkplatz vor einen der neumodischen Discountern, die es dann geben wird. Bio Discounter. Nein, ein Bio Drive in. Ich stehe und gucke, und dann sehe ich den hellblauen Mercedes. Der hellblaue Mercedes wird von vier propperen jungen Männer geschoben (Die Jungs: Baujahr 2040, das Auto 1980) Die schieben den Wagen auf den Parkplatz vor dem Discounter, auf dem ich stehe und schaue. Auf dem Fahrersitz sitzt ein uralter, schwarzer Mann, er trägt einen hellen beigen Leinenanzug und einen altern, zerstöberten Strohhut auf dem Kopf. Wenn der Wagen zum stehen kommt entfernen sich die Jungs zögernd. Sie haben diese neumodischen Geräte im Ohr, mit denen Sie ihre persönlichen Best Offers für den Tag empfangen. Den Zufallsempfehler. Der hat ihnen empfohlen heute hier zu sein und das Auto zu schieben. Der Empfehler wurde vorher mit Parametern gefüttert. Mit ihren persönlichen Parametern, im ersten Viertel des Lebens füttern sie ihn und die Menschen die sie erziehen, Eltern, Lehrer, der Mann am Kiosk, die Paten, die Parteien, sie sorgen für die Bausteine. Erst füttern sie ihn, dann folgen sie ihm. Sie verlassen sich auf die Empfehlungen. Das ist gut so, alle machen das, ich nicht, ich bin zu alt. Ich muss lediglich durchscheinen und pünklicht zum Abendessen zu Hause sein. Dann kochen die, die mich lieben für mich. Der alte Mann steigt aus. Er sieht glücklich aus. Er dankt den goldenen Jungs mit einer angedeutetn Verbeugung. Die grinsen verlegen. Die wissen aber trotzdem, dass sie es gut gemacht haben grad. Ich habe es auch gut gemacht. Ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, um ein Bild zu sehen, das mich glücklich macht. Obwohl ich seltsam geworden bin und mich weigere meine Best Offers für den Tag zu empfangen. Mein Enkel hat mir mal einen Empfehler geschenkt, einen für Alte, mit großem Display, der leicht zu bedienen ist, aber wie gesagt: Schrullige Eigensinnigkeit bestimmt mein Verhalten. Ich mein, ich komme so ganz gut auf meine Kosten. Der Alte schwarze Mann anscheinend auch. Auch er beginnt zu verblassen, ich sehe das, denn ich habe gelernt meinesgleichen zu erkenne. Das war meine Lektion.
Wegen Fußball heulen
Passiert mir manchmal. Nein, nicht wie der mitleidige Leser, die mitleidige Leserin jetzt denkt: Klar, die Alte ist ja FC Fan, das IST natürlich zum Heulen. Nein, ich muss beim Frauenfußball heulen, und zwar aus Rührung, falsches Wort: Aus Ergriffenheit, auch nicht treffend. Einfach weil es das gibt, 2009, Nachmittags in der ARD wird Frauenfußball übertragen, alle reportern fröhlich mit, REWE sponsort gar. Scheinbar ist es selbstverständlich. Das war nicht immer so! Das ist ne verdammte Befreiungsgeschichte die hofiert werden soll!
Man folge mir in den Hoch – Sauerland – Kreis, wir schreiben das Jahr 1970, die 10 Jahre alte Britta will Fußball spielen, allein, es gibt keine Möglichkeit das zu tun. Punkt. Schluss Aus Ende, sagt Papa Günther, du kannst voltigieren gehen, von mir aus auch Ballet, und jetzt Klappe halten. Aber 25 Jahre später haben Mandy und Anna-Lisa sich durchgesetzt, und sie und ihre Freundinnen spielen jetzt in Finnland und gewinnen und gewinnen und gewinnen und spielen um die Eurpameisterschaft und holen wahrscheinlich sogar den Titel das fünfte, das sechste mal in Folge. Auch wenn sie nicht gewinnen würden, allein die Tatsache, dass sie spielen ist groß!
Ein anderes Beispiel, ähnliche Gefühle. Beim CSD, und zwar wenn der Wagen der schwulen Türken vorbeikommt. Ein verwandtes Phänomen von Herzreflex, hier wird es deutlicher. Ich wette, das ist nicht leicht, für einen schwulen Türken sich bis dahin durchzuschleusen, das eigene Leben dahinzubegleiten, bis an den Punkt wo Mann sich outet und zeigt in Deutschland auf so einem Wagen. Aber es ist so immens wichtig für den Einzelnen und genauso wichtig für dieses merkwürdig amorphe Gewächs was um uns herum wabert, täglich durch unsere Poren dringt und sich Gesellschaft nennt. Und erzogen werden will. Und zwar zur Toleranz!
Katzenqual
Vor kurzem geschah etwas Merkwürdiges an einem Donnerstag Nachmittag in meinem Leben. Alles fing damit an, dass meine Katze abhaute. Das bekam natürlich niemand mit, weil Katzen diese unglaubliche Fähigkeit besitzen sich unsichtbar zu machen. Katzenhalter wissen, was ich meine. Nun, als das tatsächliche Fehlen der Katze so ganz allgemein in der Familie registriert war, war es auch irgendwie schon zu spät. Eine eifrige, rechtschaffene Nachbarin hatte sie per Tiere-in-Not-Notdienst, gesponsored by cologne Feuerwehr abtransportieren lassen, und zwar ins Tierheim Köln-Dellbrück. Welch gnadenloser Ort, nicht etwa für Tiere, nein, nein, ich glaube es gibt wenige Orte auf der Welt an denen Tier geliebt werden so wie da, nein, gnadenlos FÜR MENSCHEN. Jedenfalls für Menschen die ihre entlaufene Katze zurückverlangen. Was sag ich. Demutsvoll anfragen, ob das Kätzchen vielleicht wieder nach Hause geholt werden dürfte. NEIN, DA MÜSSEN SIE SICH ERST MAL AUSWEISEN UND EIN BILD VON DER KATZE ZEIGEN, DA KANN JA JEDER KOMMEN, WIE DAS ÜBERHAUPT PASSIEREN KANN, DASS DIE KATZE ABHAUT UND ÜBERHAUPT, IHR WÄRE ZU OHREN GEKOMMEN, DASS DIE KATZE MAL DA UND MAL DA WOHNT, DAS KÖNNE JA NICHT SEIN….schrie mir die Dame vom Tierheim Köln Dellbrück ins Gesicht. Meine Haare flogen zur Seite, meine Augendeckel klapperten, mit zitternden Händen nahm ich mein Mobilfunkgerät aus der Tasche und zeigte ein Video meiner Katze im holden Spiel mit meiner Mutter, beide vereint auf meinem Sofa sitzend, in meiner Wohnung: DA KANN JA JEDER KOMMEN, DA ERKENNT MAN DIE KATZE NICHT, WOHER SOLL ICH WISSEN, DASS DAS IHRE MUTTER IST, DA ERKENNT MAN DIE MUTTER NICHT, DAS GEHT NICHT SO GEBEN ICH IHNEN DIE KATZE NICHT MIT….an dieser Stelle macht es leise pling in mir, mein Geduldsfaden riß. Leider bedeutete das an dem Donnerstag nur, dass ich einsilbig wurde und irgendwie drauf bestand, dass das nun mal meine Katze sei, ich hier her gekommen wäre weder um Fotos zu zeigen noch um Rechenschaft abzulegen, warum die Katze manchmal auch bei einer Freundin wohnt, sondern um die abzuholen und zwar flotti flotti und pronto pronto. Wir standen Aug in Aug, wir kämpften Zahn um Zahn, nur eine konnte gewinnen. Leise machte es noch mal pling, diesmal in meiner Handtasche, ich lud meinen Revolver….
Ach, was solls. Ich kürze ab. Ich erzähle nicht, wie sich das scheiß Mißtrauen denn so anfühlte in meinem Bauch, das mir von dieser Dame aus dem Tierheim Dellbrück entgegenschlug. Deren Name ich übrigens nicht nenne, die aber den gleichen Nachnamen hat wie ein von mit sehr verehrter Sänger, der, wenn es mich recht deucht, in der Gruppe Element of Crime singt. Meine Sie – sehen – aus – wie – eine -alte – hässliche – Katzenquälerin – Verdachts – Vorrats – Schatulle ist aufgefüllt bis ans Ende meiner Tage. Und wären da nicht Kolleginnen gewesen, die sich das ganze mit große Augen und Ohren angeschaut hätten, und ansonsten ganz normal, fast freundlich wirkten, würde ich gar sagen, ein teuflicher Ort, das Tierheim Köln Dellbrück, getragen von bmt e.V.
Ein Zwangsspende und etliche hasserfüllte Stunden später durfte ich dann mit meiner Katze abreisen. Die hat das ganze zum Glück vollkommen kalt gelassen, die ist nämlich von starker seelischer Gesundheit und, ihr Glück, taub.
Offener Brief an Mr. Fenton
Hello Mr. Fenton,
Yeah. Was soll ich sagen. Ich glaube, es liegt eine Verwechslung vor. Soweit ich das aus Ihrer eMail entnehmen kann, richtet sich ihr Angebot an Männer. Diese Viaaaagra ist doch für Männer, oder? Ich bin gar kein Mann. Und ich kenn generell keine Männer, die sowas benötigen könnten. Sie beschreiben in ihrer eMail das Liebesglück eines Kunden von Ihnen, Günther, 52 hat nach Viaaaagra 2 Stunden auf einer 18 jährigen rumgelegen. Oder war es umgekehrt? Hat sie auf ihm gelegen? Jedenfalls gab es in dieser Begegnung Sex, dank Viaaaagra. Das find ich toll, dass das nun endlich möglich ist. Für Günther mein ich, ist das toll. Und wahrscheinlich auch nur für den. Ein anderer Kunde von ihnen wollte dank Viaaagra gar Nägel einklopfen mit seinem Penis. Davon möchte ich abraten. Ich fänds befremdlich wennn ein mir nahe stehender Mann nach dem Akt begänne im Flur Nägel mithilfe seines Penis einzuklopfen. Ein Kollegin von Ihnen, Ericka Block informierte mich unlängst per eMail über die Möglichkeit, meinen Penis vergrößern zu lassen. Auch hier muss ich enttäuschen. Ich bin nicht nur kein Mann, ich habe auch keinen Penis. Und die die ich kenne, die einen haben, die wollen den vielleicht gar nicht größer gestalten lassen weil sie nicht wollen, dass women into their bed jumpen. Man weiß es nicht man weiß es nicht, Männer sind da ja eigen. Die einen wollen umworben werden, die andern liegen lieber unten und die nächsten halten nichts von Rumgespringe im Bett. Das wär dann auch mein Tipp für Kollegin McGill. Die verspricht, dass Frauen Fotos machen wollen werden vom vergrößerten Penis. Auch hier ist Vorsicht geboten, meiner Meinung nach. Ist es wirklich empfehlenswert sich ein Objekt in der Hose heranzuzüchten, dass Frauen dazu bewegt Fotos machen zu wollen? Am Ende nur das? Hose auf, Penis raus, weibliches Gekreische, hektisches Durchstöbern der Handtasche, Handycamera raus, fotografieren, Handy wieder einpacken und schwupps haut die Braut wieder nach Hause ab oder wie. Und giggelt und gackert gemeinsam mit den Freundinnen beim Fotos gucken. „Guck mal Lisa-Lyn, dieser hier sieht wirklich schrecklich aus, meinst du nicht auch? Ja ja Kimberly, der geht gaaaar nicht. Aber guck diesen hier, den hat Jessika gestern aufgenommen, ist der nicht hübsch, den hätteste du vor der OP mal sehen sollen, da war er noch niedlich.“ Schnell wird es Foren geben mit Vorher Nachher Penis Fotos darin. Dann die ersten Casting Shows. Hier, seht, Mike, Hannes und Atze bewerben sich, wer hat es am nötigsten? Der Zuschauer darf mithilfe von TED (gibt es den eigentlich noch?) abstimmen. Und danach müssen diese ganzen Männer mit den populären Penissen ja auch irgendwo hin, also medientechnisch untergerbracht werden. Also entstehen wieder neue Sender mit neuen: Rufen – Sie – an – JETZT – sind – alle – Leitungen – offen – Shows. Das wollen wir doch alles nicht. Deswegen ein abschließendes Plädoyer gegen die Versendung von eMails mit Angeboten zur Vergrößerung von primären Geschlechtsmerkmalen!