Karneval

17. Februar 2012 at 14:15 (Alltag, Uncategorized)

18:05 Uhr. Treffe zum “verkleiden und einschunkeln” in Nippes im Laden meines Freundes ein. Mein Freund empfängt mich leicht hysterisch, sein Kostüm gefällt ihm noch nicht. Er sieht aus wie eine Mischung aus Gremlin und Ausserirdischer. Er hat seine Linie noch nicht gefunden. Ich sehe normal aus. Ich will sofort wieder nach Hause.
19:30 Uhr. Ein ausserirdisches Gremlin, ein vollbusiges Hippiemädchen und ein angetrunkener Clown entscheiden , dass ich das 5. Element werde. Muss jetzt eine Papp Fünf ausschneiden und mich mit witzigen Accessoires bekleben. Will sofort zu meiner Mama, wahlweise zurück in den Kindergarten.
20:20. Sekt
20:40. Der Ausserirdische Gremlin kickt das Gremlin raus und ist jetzt lediglich Ausserirdischer. Schick, die Eierbecher auf seinem Kopf. Nicht viele können einen grüngehäkelten Topfwärmer mit Schleifchen unterm Kinn tragen ohne nicht vollkommen lächerlich auszusehen. Er kann´s.
20:50: “Mehr Sex mehr Sex” kreischt das vollbusige Hippie Mädchen und reißt Löscher in meine rote Nylon Strumpfhose. Der Clown beschriftete unterdessen das Cape meines Freundes mit Glitterstift: “Perverser Ausserirdischer” kann jetzt jeder lesen, der noch lesen kann.
21:00 Finde mich als Mischung aus Lilo Pulver und Hippie Langstrumpf im Heimathirschen ein. Die Stimmung kocht. Ertappe mich dabei mit meinem Ring rhythmisch gegen meine Bierflasche zu klappern. Wenigstens gibt´s hier Becks.
21:20 Das Hippiemädchen kreiselt in wilden Pirouetten über die Tanzfläche. Mein Freund beginnt die Menge mit der von ihm mitgeführten Klobürste zu segnen. Die Banane vor mir spielt Luftgitarre. Ich mach den Bass, ok, aber nur ein Lied lang.
22:00 Kaschemmenwechsel. Gehört wohl dazu im Karneval.
22:10 Feez. “Bist du ein fünftes Jubiläum?” Neeeeeeein, ich bin das 5. Element, und das ist der Frohsinn, kreisch, geh mir aus dem Weg, ich muss tanzen”
22:50 Wo sind Hippiemädchen und Banane hin?
23:50 Zum dritten mal “Supergeile Zick” Egal egal egal. Toller Song!!
00:35 Rührung kommt auf. “Drink doch eene mit”. Habe ich nicht als Kind ein Songbuch mit Black Fööss Liedern geschrieben und ins Hochdeutsche übersetzt und überhaupt…..
01:50 “Bis du Nummer Fünf lebt?” Nein, du Immi, ich bin Kölnerin und jetzt geh mir aus dem Weg, ich muss weiter tanzen.
02:00 Yeah. Mein Ausserirdischer liegt schunkelnd in meinen Armen, auch das Hippiemädchen ist zurück, hat die Banane erfolgreich gepellt… .
03:00 Ich würde auch zu Foos nach Irefeld jonn, für heute Abend muss es Nippes sein. Egal.
Karneval dauert noch FÜNF Tage. Cool.

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Überraschend ist relativ

8. September 2011 at 23:19 (Alltag)

Donnerstag Nachmittag, Köln, Innenstadt. Irgendwo in einer mittelmäßigen mittleren Büroetage. Die Protagonistin dieser Begebenheit ist allein in den Geschäftsräumen einer herkömmlichen Agentur, sagen wir eine Agentur für Ökonomie, für Sozialkontakte, für Aufklärung, egal. Jedenfalls mit so mittel viel Publikumsverkehr. Will sagen: Dreimal am Tag klingelt es und zweimal am Tag kommt jemand hoch, der sich höchstwahrscheinlich verirrt hat oder aber verabredet mit einer Kollegin, denn in besagter Agentur arbeitet nicht nur die Protagonistin sondern auch noch andere Menschen. Nur ist im Moment keiner von denen da. Es ist Donnerstag Nachmittag. Eigentlich müsste es voll sein, denn der Donnerstag ist der bevorzugte Tag zum Arbeiten bei Leuten die es sich aussuchen können, wann sie arbeiten. Wohingegen der Freitag, ja, der Freitag einfach nur vernachlässigt in der Ecke rumsteht weil in ihm selten, rar oder auch wenig gearbeitet wird, aber ich schweife ab. Also: Es klingelt, die Protagonistin betätig den Türöffner für die Haustür unten und macht auch die Bürotür auf und geht dann, in Gedanken versunken, zerstreut und mit sich selbst plaudernd zum WC um sich mal eben die Hände zu waschen, denn die sind früchtewassertriefend, die Protagonistin hat grade Aprikosen gegessen und wäscht sich die Hände und vergißt währenddessen, dass es geklingelt hat und sie die Tür aufmachte und so weiter. Jedenfalls kommt sie aus dem WC und plötzlich steht da eine fremden Frau im Flur. Ihre Reaktion: Ein markerschütternder Schrei. Also ein richtig lauter Frauen-Kreisch-Schrei. So richtig, richtig laut. Ich würde sagen so wie auf der Achterbahn. Lauter wahrscheinlich noch. Dabei springt die Protagonistin 70 Zentimeter hoch und fuchtelt wild mit den Armen vor Schreck.

Stellen wir uns nun die Situation aus der Perspektive der Besucherin vor. Die hat einen Termin in einer Agentur, sie klingelt, es wird ihr aufgedrückt, sie sieht unten im Hausflur das Hinweisschild: Zur Agentur xy bitte in den zweiten Stock kommen, sie steigt die Treppen hoch da ist eine Tür auf, keiner da zwar der sie empfängt aber die Tür ist schließlich einladend auf, sie geht in den Flur, der schmal ist aber groß genug um darin zu stehen und zu warten, irgendwer muss doch hier sein, ah, dann geht ein andere Tür auf und eine zerstreut wirkende, vor sich hinbrabbelnde Frau mit noch nassen Händen tritt in den Flur, hebt den Kopf, sieht sie erschreckt an um dann ohrenbetäubend loszukreischen, dabei springt sie hoch und macht in der Luft eine Art Kung Fu Bewegung….. . Was unsere Besucherin natürlich dazu veranlasst ihrerseits zu Schreien vor Schreck, und hochzuspringen, aus Solidarität, das sei mal dahingestellt. Da fliegen die beiden also Aug in Aug und schreien sich an obwohl bislang noch nicht viel passiert ist. Vielmehr passiert auch nicht. Beide landen einheitlich auf der Erde, schauen sich irgendwie verständnisvoll in die Augen und gehen zur Tagesordnung über, was in diesem Fall mehr als vollkommen ok ist.

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Die Wahl des Kanal

15. Juli 2011 at 23:49 (Alltag)

Katze hat miese Tipps auf Lager für mich in letzter Zeit. Unlängst schlug Sie vor an eine verheißungsvollen Nummer in meinem Mobiltelefonadressbuch eine nette Nachricht zu schicken. So richtig lang und charmant und nicht aufdringlich aber auch nicht langweilig sondern offen und dennoch einen Hauch verbindlich. Wie man einer verheißungsvollen Nummer halt so schreibt. Ich befolgte ihren Rat. Reinfall. Denn obwohl ich ausdrücklich ausdrückte, dass diese Nachricht jetzt wirklich nicht von mir sondern von Katze initiiert war empfahl sich der Adressat der Nachricht mit den Worten: “Bin grad im meeting”. Was soviel heißt wie: Lass mich in Ruhe.

Da stand ich nun dank Katze mit einer Antwort auf die ich nicht stand und der Bürde nicht mehr antworten zu können. Denn was hätte ich auch schreiben sollen? Per SMS jedenfalls nichts mehr. Die nächste Nachricht über Facebook schicken? Aussichtslos. Über What´s up ein erstauntes “Uuuups, du bist auch hier???” senden? Prostmahlzeit. Ein Briefchen in den Briefkasten schmeissen? Pah. Des Adressaten Berechtigung zu legitimer Ignoranz steigt mit der Anzahl der Kommunikationskanäle die der Kontaktsuchende nutzt. So einfach ist das.

Paar Tage später schlug Katze dann vor, doch mal wieder gemeinsam wegzufahren. Ich fiel fast in Ohnmacht und schrie sie an: Wo willst du denn hin? Du kannst doch eh nur scheiss Tipps geben und mit deinen komisch sensiblen Schnurrbart Haaren kosmische Schwingungen scannen. Du hörst doch gar nicht wo du bist, Katze. Also komm mir nicht so. Wenn wir gemeinsam verreisen würden müsste ich eh wieder alles allein machen und hinbiegen, was du verbockst. Die Kommunikation mit dem Parkwächter zum Beispiel. Die Bestellungen im Restaurant. Mich über den Lärm der Diskos beschweren. Und so weiter. Ich redetet mich in Rage und bemerkte nicht, dass Katze längst den Platz auf dem Sofa neben mir verlassen hatte um auf Mottenjagd zu gehen. In meiner Wohnung.

Kennt jemanden eine gute Adresse Ohren und Hirn meiner Katze reparieren zu lassen? Erbitte Nachricht per Telegramm.

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Andere verschwenden ihre Jugend, wir nur unsere Zeit

13. Juli 2011 at 11:55 (Alltag)

Montag Morgen. 8:00 Uhr. Kurz nach dem Aufstehen. Mit noch geschlossenen Augen koch ich Tee und trete dabei gegen die Katze. Die schliddert auf dem glatten Holzfußboden einen Meter weiter Richtung Balkontür, sagt aber nichts, obwohl der Tritt meinerseits auch ein bisschen Absicht war. Mit dem Tee in der Hand setzt ich mich aufs Bett und warte, dass ich aufwache. Das dauert. Solang der Tee zu heiß zum Trinken ist, konzentrier ich mich darauf, ihn nicht zu verschütten. Solange ich den Tee in der Hand halte kann ich nicht zufällig über der Decke zusammenzusacken und wieder einschlafen.

Draussen hupt jemand. Im Hof haben sich alle Mitarbeiter der Kölner Müllabfuhr versammelt und diskutieren laut die unterträgliche Schwere der Mülltonnen. „Ich will sofort woanders hin“ denkt es in mir. „Die Eifel wäre nett, in irgendein Maar. Auf den Grund. Da ist es ruhig und Katze könnte auch mitkommen, denn sie ist ja nicht wasserscheu.“ Während es weiter in mir denkt trink ich zwei weitere Tassen Tee. Dann bin ich bereit online zu gehen. Hat sich nicht viel verändert da auf Facebook. Alles beim Alten. Draussen hupt jemand. Ich geh duschen. Denk über das Maar nach. Zieh mich an, dann die erste Tasse Kaffe, weiter Hupen. Facebook teilt mir mit, dass Andrea einen Glückskeks gezogen hat. Aha. Zum Keks noch einen Kaffe, das paßt. Draussen ganz viel Hupen. Ich guck aus dem Fenster. Unter meinem Fenster ist die Straße, da parken Autos, nachts ist da alles voll, alles zugeparkt, aber jetzt am Morgen stehen noch genau zwei Fahrzeuge da. Ein Smart in einer Parktasche eingeparkt von einem großen silbernen Merzedes Kombi. Ansonsten ist die Straße frei. Der Mann im Smart drückt auf die Hupe.

Ich setz mich wieder an den Computer. Facebook teilt mir mit, dass der Kunstverein Saarbrücken sein Profilbild geändert hat. Ich geh zurück ans Fenster. Der Alte Mann im Smart drückt jetzt hochfrequent auf die Hupe. “Warum fährt der eigentlich nicht rückwärts, nach hinten raus aus der Parklücke, wenn Vorne alles zugeparkt ist” denkt es in mir und ich bin überrascht. Das ist, gemessen an der Tageszeit, ein relativ elastischer, fast brauchbarer Gedanke. Der Mann hupt weiter. Ich nehm den Haustürschlüssel und geh runter, direkt auf den Smart zu. Jetzt steh ich vor dem bärtigen Mann. Er trägt eine eierschalfarbene Kopfbedeckung. „Fahrnse doch nach hinten raus, da ist Platz, ich wink sie raus“ Der Mann schüttelt den Kopf. „Ne, wenn ich mir da ne Schramme ins Auto fahr bin ich schuld, ich will, dass der da vorne wegfährt.“ Das ist ein Argument. Ich geh wieder hoch und setze mich an den Computer. Partyveedel Ehrenfeld hat 15 neue Freunde. In mir macht sich Bewunderung und ein kleines bisschen Neid breit. Freizeit scheint er zu haben, der Mann im Smart. Gar nirgendwo hin muss der. Der hat viel Zeit hupend auf sein Recht zu beharren. Und ich? Muss den ganzen Tag Facebook kontrollieren. Das ist anstrengend und undankbar. Der Mann hupt. Facebook haut die Meldungen raus. Eines Tages werden alle Maare ausgetrocknet sein und ich immer noch auf Facebook. Der Mann immer noch in seinem Smart. Hupend. Lediglich die Kopfbedeckung wird ihre Farbe gewechselt haben. Sie wird tiefschwarz sein mit roten Punkten. Jeder Punkt steht für ein verschwendetes Leben. Eins auf Facebook. Eins im Smart. Und für das meiner Katze, die mit mir zusammenleben muss und nie gefragt wurde.

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Was wäre die Welt ohne Wahnschmerzen? Ein Gewinnspiel!

20. Juni 2011 at 17:31 (Kunst)

Guten Tag liebe Freiwilligen,

während der Sommer sich mit Regen die Zeit vertreibt bleibt uns wohl nichts anderes übrig als kurzweilige Veranstaltungen in Räumen aufzusuchen. Ruhig welche mit Interaktionscharakter. Zum Beispiel im REWE einkaufen gehen und den Azubi Torben fragen, ob er´s draussen mal ein bisschen wärmer machen kann. Dann leise die Sekunden zählen in denen sich Torbens Gesichtsausdruck verändert. Oder einfach mal einen kleinen Schwertkampf per Trennstäbchen mit dem Hintermann beginnen. Und dabei immer wieder leise: Bsss. Bsss. Bssssss zischen.
Aber vielleicht wird das alles nichts nützen. Die Sehnsucht nach einer kooperativ gestimmten Sonne, die nicht nur hinter den Wolken sondern auch davor scheint, scheint nicht zu vertreiben zu sein. Das war ein Satz mit zwei Scheinen. Für schon drei Scheine können Sie übrigens eine Zeichnung von mir erwerben. Und während der Kunstkenner noch rätselt, welchen NENNWERT die Scheine denn wohl haben müssen, kann sich der Normalsterbliche die Zeit mit einem interaktiven Preisrätsel vertreiben und wahlweise eine der drei Fragen beantworten:
Wie heißt das Tier, welches auf Zeichnung 1 zu sehen ist? Wie viele Quadrate sind auf Zeichnung 2 gleichgroß? Was beschäftigt die Ananas auf Zeichnung 3?
Einfach Antwort generieren, Wunschgewinnerzeichnung nennen und zurück mailen. Mein Katze zieht das Los, der Gewinner wird per Solaranlagenvertreter benachrichtigt.

Am 24. Juni habe ich die Ehre zusammen mit dem Musikduo Doppelleben eine Lesung zu bestreiten, was ich gerne tu. Die Karten sind furchtbar rar gesät und kosten 8,- Euro, eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich.
http://dieauslese.wordpress.com/

Und am 6. Juli spielt die Modulband ungemähter rasen in der Barinton, Grüner Weg in Ehrenfeld ab 21:00 Uhr. Ich würde jetzt auch gern sagen, dass die Karten unheimlich rar sind und deswegen eine Voranmeldung unbedingt erforderlich ist, aber das entspräche nicht der Wahrheit.
http://www.facebook.com/event.php?eid=141479765926100

Also.
In diesem Sinne.
Kommen Sie gut durch den Tag. Verzeihen sie die Plumpheit so mancher Formulierung, ich war heute drei Stunden beim Zahnarzt gefangen in den Händen einer jungen, dynamischen Zahnarzthelferin, die Zahnreinigung in eine neue zeitliche Dimension hob.

 

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wirre hoffnung auf klassenerhalt

31. Januar 2011 at 13:33 (Fußball)

ich möchte gemeinsam mit dem FC untergehen. je mehr zaudern in der mannschaft ist, desto mehr verblasse ich. nur noch wenige spieltage, weitere liegengelassene punkte, erneut ein schuß übers tor – wir fallen. wir fallen gemeinsam, der FC und ich. wir fallen bis ans tabellenende. hier unten ist es gut, warm, hier riecht es gut, es wird still, am ende, nur gladbach steht noch unter uns, kaum merklich nähern wir uns an, gladbach und wir, zwei gemeinsame ohne macht, eine …. ohnmacht.

doch dann die wende: ein geläuterter prinz erscheint am horizont. der retter. er animiert mich, hebt mich auf, trägt mich ins stadion, brüllt für mich, flöst mir warme getränke ein. langsam kommt leben auf das grün, das grün teilt sich, wird blau wie der rhein und gelb wie die sonne, teilt sich uns mit, die mannschaft wacht auf, steht auf, läuft auf, läuft auf zu neuer form, zu höchst form, der greise bock enteist, der prinz beginnt ein neues spiel, er kann nicht viel aber das kann er, tore schießen, treffen, er trifft, er trifft das tor und mich ins herz, der FC macht die punkte die ihm gehören, macht uns hörig, feiert sich wie den karneval, feiert, als sei das hier die championsleague, das kann er, feiern, wir feiern mit, weil wir uns freuen, rot weißer taumel, wir feiern weil wir es schaffen, wir feiern. den klasse klassenerhalt halt. die neue luft. die nächste chance. wahrscheinlich feiert gladbach nicht mit. die sagen bochum hallo. vielleicht ohne stuttgart, die schütteln berlin die hand. aber der FC. der bleibt hier. erster klasse. erstklassig. ganz gewiss.

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Bier leer auf der Artfair

2. November 2010 at 13:59 (Kunst)

Ach, die Artfair. Was soll man sagen. Schön war ´s da. Die neuen Räume stehen der Messe gut zu Gesicht und der schwarze Boden im Foyer macht einen glauben auf einer gigantischen Technoparty zu sein. Das Licht in der Eingangshalle schlägt in die gleiche Kerbe.
In den Räumen in denen sich die Kunst tummelte war es zum Glück hell, und man könnte alles sehen. Und was man alles sehen konnte….nie gesehenes, häufig gesehenes, nicht mehr anschauliches, alles war vorhanden.
Am erfreutesten hat mein Herz geschlagen beim Anblick der Kunst von Dorothea Schulz. Aus Stuttgart kam sie extra hierher um ihre schönen, ordentlichen und doch skurrilen Zeichnungen zu präsentieren. Auch gut fand ich die VIP Lounge in der es lange Zeit kein Bier mehr gab. Die enttäuschten Gesichter der VIP Lounge Besucher beim Anblick des leeren Kühlschranks waren mindestens genauso gut wie die Kunst von Dorothea Schulz. Auf dem Höhepunkt der Leere stellte ich eine Kamera in den Kühlschrank die von da an die Gesichter der Bier suchenden VIP Lounge Bewohner filmte. Ein großer Spaß. Als es der Kamera zu kalt wurde und Messepersonal Bier nachfüllte sind wir gegangen. Ich und die Kamera.
War die Artfair nicht mal ursprünglich eine Gegenmesse zur ART Cologne? Ich mein mich da an was erinnern zu können, an die erste Artfair, die in einem windschiefen Gebäude irgendwo in Köln Mülheim stattfand mit selbstgemalten Eintrittskarten und mit Betttücher abgehangenen Kunstkojen.
Gemausert hat sie sich also. Einem Sittich gleich der sich ab sofort nicht mehr einfach nur die Schwanzfedern durch den Schnabel zieht um zu glänzen, sondern gleich den kompletten Kopfschmuck von Pierre Brice auf dem jungendlichen, flausenbestückten Haupt trägt. Und flügge und unbeschwert Richtung Ruhm und Großkapital flattert. Und wir schauen bloß verwirrt und ein kleinwenig entgeistert hinterher.

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Krise in der Krise

19. August 2010 at 20:23 (Alltag)

Auch bei mir hielt die Wirtschaftskrise Einzug. Meine Mietschulden belaufen sich mittlerweile auf 2275 Euro. Wohin sich meine Mitschuld verlaufen hat weiß ich nicht. Sie wabert durch den mir angeborenen üppigen Gefühlshaushalt, sie ist immer da. Seit neustem bin ich, zusätzlich zu dem was ich schon immer bin, eine Schattenperson im Kabinett eines Psychaters. Das heißt ich bin die, vor der erzählt wird, an der es sich lohnt Dinge exemplarisch auszubügeln. Irgendwo macht sich also jemand eine Vorstellung von mir. Ohne mich. Addierte man diese Schattenentwürfe erzählender Klienten und ließe sie irgendwo auftreten wär das ein hübscher Paralellweltcast.  Gibt es irgendwo einen Ort, an dem sie sich treffen könnten? Wenn ja, wie wären die Beziehungen untereinander? Und dürfen die sich kreuzen, verschiedene Wesensentwürfe aus unterschiedlichen Psychatrischen Behandlungzimmern sich untereinander kennen?

Ähnlich ungriffig verhält es sich mit den Träumen. Hin und wieder passiert dieses Gefühl im banalen Alltag, diese OH HA, diese Situation hier hab ich schon mal geträumt. Nicht die Handlung des längst vergangenen Traumes kommt in den Sinn, aber das dem Traum originäre Gefühlskonglomerat, dass den Traum überhaupt ausmachte. Eine, zugegebener Maßen, flüchtige Komponente die eines nicht ergibt: Ein klares Bild. Sonder eher ein: Schummrigen Abdruck eines nicht greifbaren Geschmacks.

Einmal fuhr ich mit einem mir relativ unbekannten jungen Mann an die Städte meiner Jugend zurück. Im Auto saßen wir, es dämmerte schon und ich zeigte ihm die Orte, die mal wichtig waren: Hier, schau, da die Grundschule mit dem Grafitti: Meike, ich liebe Dich, hier, direkt nebendran die Bäckerei LOB und das hier war das Cafe wo wir hingegangen sind beim Blaumachen. Doch dann wurde es schummrig. Und mit zumehmender Dunkelheit fielen mir einfach mehr Träume ein, die an den Plätzen gespielt hatten, als Dinge, die wirklich geschehen waren. Was die Kommunikation nicht unbedingt erleichtete: Schau, hier habe ich mit 16 Jahren eine sich langsam auf die Stadt senkende Atombome aufgefangen, und hier ist die Sache mit den merkwüridgen Menschenmonstern im dunklem Keller im dunklen Haus passiert…

Aber der Herr war gutmütig und ließ sich nichts anmerken. Auch gut ist, wenn Träume den Weg weisen in Sachen “zwischenmenschliche Beziehungen”.  Einmal hatte ich eine Freundin, mit der lief es nicht mehr gut. Ich quälte mich rum. Ich quälte mich ab. Ich wollte retten, was schon lang im Brunnen lag. Dann träumte es in mir ein klares Bild: Meine Freundin und ich wir standen an einer Weggabelung. Das Wetter war freundlich, des Weg war gefegt, die Stadt friedlich und wir entschieden uns beschwingten Fußes für unterschiedliche Richtungen. Das wars. Selten so einfach Schluss gemacht.



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Schland vs. Serbien

19. Juni 2010 at 11:44 (Alltag, Fußball)

Poldi hatte Scheisse am Schuh. Ich wünschte auch, ich würde anders beginnen können nach fünf Monaten Dauerschweigen meinerseits auf diesen Seiten. Aber geht ja nicht anders. Also: Poldi hatte Scheisse am Schuh. Irgendwo hab ich ihn nach dem Spiel sagen hören: Ich bin halt der Depp. Da hat er recht.

Nicht witzig finde ich, dass niemand es witzig findet, wenn ich, pünktlich zum Schland vs. Serbien Spiel eine, mit gut gefüllten Mitzwanzigern gefüllte Kneipe im Italien Trikot betrete. Die hätten mich beinah rausgeschmissen da. Dann versuchte ich die Deutsche Hymne auf meiner Melodika mitzupielen – fanden die auch nicht gut. Ich vermute eine Humorverschiebung zwischen Geburtsjahr  1970 und Geburtsjahr 1990 ähnlich der Zweiten Lautverschiebung im Mittelalter oder auch der Kontinentalverschiebungen als Europa und Afrika noch eins waren und Pangaea hießen. Einzig ein Mitzwanziger machte eine humorige Bemerkung. Allerdings nicht zu meinem Outfit, sondern zu dem des Deutschen Torwarts:  “Manuel Neuer sieht aus wie ein Textmarker” sagte er und hatte recht.

Wenig – Fußball – Gucker, also Menschen, die nur so am Rande was mitbekommen von der WM, und deswegen morgens nicht als erstes bei Kicktipp schauen, wo sie stehen, sondern auf Boerse.de schauen, wo die Aktien stehen, die sagen Dinge wie: Die Vuvuzelas machen einem die gesamte WM kaputt. In unserer schnellebigen Zeit, und ich entschuldige mich für diesen platzhirschgleichen Allgemeinplatz, den allgemeinsten aller Allgemeinplätze, den ich mit dieser Formulierung verwendet habe, also, in unserer schnellebigen Zeit hat die Vuvzela einem fünf Monate im Geschäft seienden Casting Star gleich, schon sämliche Höhen und Tiefen der medialen Verbratung erlebt. Radikal berühmt geworden innerhalb von Minuten, gehaßt, geliebt, Kult Objekt, Politikum. Umgestaltet, besungen, Dorfplätze wurden nach ihr benannt, Anwärter auf das Wort, wahlweise das Unwort des Jahres. Es gibt Anleitungen im Netz um aus ihr Vasen, Wasserwaagen, Todschläger, Entertainertrainingslager zu bauen. Mein Vorschlag für nach der WM: Sie als Urinella verwenden. Kennt jemand noch die gute, alte Urinella? Eine trichterähnliche Vorrichtung, die auch Damen erlaubt, im Stehen zu pissen. Ansonsten gibt es überhaupt keinen Grund zu jammern über die Dinger. Auch dem letzten Ohr – Verstopften wird aufgefallen sein, dass die Fernsehsender es geschafft haben, nach, glaube ich sechs Spieltagen, den Sound weitestgehend rauszufiltern. Ich jedenfalls höre schon wieder andere Dinge aus dem Stadion als nur  “Trööööt”. Gemeinhin  hätte man ja gegaubt, dass so etwas, also das RAUSFILTERN  TECHNISCH viel FRÜHER möglich gewesen wäre. Aber nein, die Welt hatte erst mal Zeit sich aufzuregen, tagelang, weil es anscheinend gar nicht so einfach war. Großartig. Ich vergleiche das Auftauchen der Vuvzela mit der Lahmlegung des Flugverkehrs durch die isländische Aschewolke. Hätte auch keiner für möglich gehalten, dass so ein bisschen Asche dermaßen beeinträchtigt, wie so ein bisschen Plastik. Tat es aber.

Den Trainer Algeriens schließe ich seit Gestern in mein Abendgebet ein. Gerührte alte Männer die Weinen beim Klang ihrer Nationalhymne – her damit. Denen möchte ich mich in meiner Küche auf den Schoß setzten und Paolo Conte hören. Dann trinken wir ein, zwei Gläser Rotwein zusammen und kuscheln uns heimelig an die Wehmut an. Denn die steckt ja bekanntlich in allem. Denn die Hymne des eigenen Landes darf man gerne hören mögen, man darf auch vor Rührung weinen dabei, aber erst, wenn man 60 Jahre zugebracht hat mit dem eigenen Vaterland. Und sichergehen kann, dass in denen nichts abgründig Abartiges passiert ist.

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Glücklicher Mann

31. März 2010 at 23:35 (Alltag, Kunst)

Einmal begegnete ich einem glücklichen Mann. Was an und für sich ja schon eine kleine Sensation ist. Doch damit nicht genug:  Der Mann dem ich begegnete der war nicht nur glücklich, der macht auch glücklich. Nämlich die Menschen die ihm auf seinem Berg besuchen.

Peter baut seit dreißig Jahren auf seinem Berg in Spanien eine Mosaik – Skulpturen Welt. Kreaturen, Gebäude, kleine Teiche, Wege, Gärten, Hütten zum Wohnen, Schlafen, Kochen, Essen, Postkartenverkaufen. Bunt, aus Gips und Kacheln, amorphe Formen, Tiere, Fabelwesen. Der Besucher geht im spanischen Nirgendwo am Fuße eines alten Weinberges durch ein Holztor und schlängelt sich den Pfad hinauf. Ihm begegnen Dinge, die er bis dato noch nicht zu Gesicht bekommen hat und die nicht nur Kinder lächeln machen. Oben auf dem Berg blauer Himmel, im blauen Himmel ein Stuhl, darauf der glückliche Mann. Peter. Undefinierbares Alter, Künstler. Neben ihm ein verblichenes Hinweisschild: Wem es hier gefällt, der darf einen Euro geben. In die Hand von Peter. Geht eigentlich gar nicht. Denn mit einem Euro ist es hier nicht getan. Entweder 10.000 oder einfach Danke sagen. Egal. Peter ist es recht einen Euro von erhitzten Touristinnen in die Hand gedrückt zu bekommen. Der findet daran nichts anstrengend. Der flirtet stattlich zurück und fängt ein Gespräch an. Ja, jeden Tag kommt er hierher, ja, alles hat er selbst sich ausgedacht, sogar selbst gemacht, sicher, ja, das IST viel Arbeit. Davon leben können, ja klar kann er leben und ob davon oder deswegen, das will er gar nicht entscheiden müssen. Nicht straucheln tut er bei der Beantwortung der schmalgeistigen Touristenfragen. Die im Beisein von soviel Glück und Eigensinn beinah das Stöhnen über Hitze vergessen.

Später  bekommt Peter Besuch von zwei Damen in seinem Alter. Gemeinsam wird Rotwein getrunken und es macht sich Stimmung breit. Vielleicht macht auch einfach nur die Stimmung breit. Abends dann runter vom Berg. Da mitten in Spanien wo es angeblich noch Geier gibt und die hohen Felsen sich in Zerklüftung und Schroffheit ergehen.

Glück färbt ab, ich schwör es!

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