Überraschend ist relativ

8. September 2011 at 23:19 (Alltag)

Donnerstag Nachmittag, Köln, Innenstadt. Irgendwo in einer mittelmäßigen mittleren Büroetage. Die Protagonistin dieser Begebenheit ist allein in den Geschäftsräumen einer herkömmlichen Agentur, sagen wir eine Agentur für Ökonomie, für Sozialkontakte, für Aufklärung, egal. Jedenfalls mit so mittel viel Publikumsverkehr. Will sagen: Dreimal am Tag klingelt es und zweimal am Tag kommt jemand hoch, der sich höchstwahrscheinlich verirrt hat oder aber verabredet mit einer Kollegin, denn in besagter Agentur arbeitet nicht nur die Protagonistin sondern auch noch andere Menschen. Nur ist im Moment keiner von denen da. Es ist Donnerstag Nachmittag. Eigentlich müsste es voll sein, denn der Donnerstag ist der bevorzugte Tag zum Arbeiten bei Leuten die es sich aussuchen können, wann sie arbeiten. Wohingegen der Freitag, ja, der Freitag einfach nur vernachlässigt in der Ecke rumsteht weil in ihm selten, rar oder auch wenig gearbeitet wird, aber ich schweife ab. Also: Es klingelt, die Protagonistin betätig den Türöffner für die Haustür unten und macht auch die Bürotür auf und geht dann, in Gedanken versunken, zerstreut und mit sich selbst plaudernd zum WC um sich mal eben die Hände zu waschen, denn die sind früchtewassertriefend, die Protagonistin hat grade Aprikosen gegessen und wäscht sich die Hände und vergißt währenddessen, dass es geklingelt hat und sie die Tür aufmachte und so weiter. Jedenfalls kommt sie aus dem WC und plötzlich steht da eine fremden Frau im Flur. Ihre Reaktion: Ein markerschütternder Schrei. Also ein richtig lauter Frauen-Kreisch-Schrei. So richtig, richtig laut. Ich würde sagen so wie auf der Achterbahn. Lauter wahrscheinlich noch. Dabei springt die Protagonistin 70 Zentimeter hoch und fuchtelt wild mit den Armen vor Schreck.

Stellen wir uns nun die Situation aus der Perspektive der Besucherin vor. Die hat einen Termin in einer Agentur, sie klingelt, es wird ihr aufgedrückt, sie sieht unten im Hausflur das Hinweisschild: Zur Agentur xy bitte in den zweiten Stock kommen, sie steigt die Treppen hoch da ist eine Tür auf, keiner da zwar der sie empfängt aber die Tür ist schließlich einladend auf, sie geht in den Flur, der schmal ist aber groß genug um darin zu stehen und zu warten, irgendwer muss doch hier sein, ah, dann geht ein andere Tür auf und eine zerstreut wirkende, vor sich hinbrabbelnde Frau mit noch nassen Händen tritt in den Flur, hebt den Kopf, sieht sie erschreckt an um dann ohrenbetäubend loszukreischen, dabei springt sie hoch und macht in der Luft eine Art Kung Fu Bewegung….. . Was unsere Besucherin natürlich dazu veranlasst ihrerseits zu Schreien vor Schreck, und hochzuspringen, aus Solidarität, das sei mal dahingestellt. Da fliegen die beiden also Aug in Aug und schreien sich an obwohl bislang noch nicht viel passiert ist. Vielmehr passiert auch nicht. Beide landen einheitlich auf der Erde, schauen sich irgendwie verständnisvoll in die Augen und gehen zur Tagesordnung über, was in diesem Fall mehr als vollkommen ok ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.